05 Dezember 2006

Rundu bis Popa Falls

Noch vor sechs Uhr wachen wir auf, weil jemand an unseren Bus klopft – doch niemand ist vor der Tür?! Als es jedoch weiter klopft, bemerken wir plötzlich die beiden Tokos, die sich je auf einen Scheibenwischer gesetzt haben und mit ihren spitzen Schnäbeln Insekten von der Scheibe picken. The early bird catches the worm – daher fahren noch vor 7 Uhr los und sind um 10 Uhr in Rundu. Hier füllen wir sämtliche Notfallkanister mit Benzin, denn die weiteren Versorgungsverhältnisse sind ungewiss. Rundu befindet sich am Okavango an der Grenze zu Angola. Wir merken bald, dass hier das wahre Afrika beginnt: wem die Bilder bis dahin noch zu europäisch gewirkt haben, der wird heute auf seine Rechnung kommen...
Nur wenige Kilometer nach Rundu kommen wir in die zweite namibische Polizeisperre. Während die gestrige rasch und unkompliziert über die Bühne ging, ist die heutige Kontrolle etwas unprofessioneller. Nachdem wir klar gemacht haben, dass wir keine Medikamente im Auto haben und nicht hier sind, um das namibische Volk zu heilen, will der Polizist alles Mögliche wissen: woher kommen wir? Wo schlafen wir? Wo haben wir geschlafen? Was ist das für ein Auto etc... Der internationale Führerausweis interessiert ihn hingegen nicht und wir bekommen das Gefühl nicht los, dass der gute Mann mit unserem Fall leicht überfordert ist, daher einfach mal planlos Fragen stellt. Schliesslich lässt er uns aber weiterfahren und auch die Veterinärsperre für allfällige Tierkrankheiten passieren wir problemlos.
Diese letzte Sperre erscheint uns wie ein Eintrittstor ins „richtige“ Afrika. Nach der Sperre sehen wir nur noch sehr selten ein gemauertes Haus. Die Strasse wird über 200km von traditionellen Dörfern gesäumt.

Die Männer pflügen mit Ochsen oder von Hand ihre roten Felder, die Kinder spielen im Staub, die Frauen verkaufen Kunst am Strassenrand, tragen Wasser (auf dem Kopf) oder sitzen träge im Schatten. Irgendwie fühlen wir uns wie im Museum und doch ist das nicht für Touristen inszeniert sondern Alltag der hier lebenden Menschen. Kurz vor Beginn des Caprivizipfels verlassen wir die Hauptstrasse und fahren einige Kilometer dem breiten Okavango entlang zu unserem nächsten Camping. Auch das ist wieder in kleines Paradies.

Wir geniessen die Ruhe, schauen dem fliessenden Wasser zu und halten Ausschau nach Flusspferden und Krokodilen.